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Thermoelektrische Generatoren: Energieeffizienz im Maschinenbau

Abwärme ist kein Abfallprodukt

In vielen Industrieanlagen entweicht Wärme einfach ungenutzt. Motoren, Verdichter, Steuerungsschränke – überall entstehen Temperaturdifferenzen, die niemand anzapft. Dabei lässt sich genau diese Wärme mit einem thermoelektrischen Generator in elektrische Energie umwandeln. Ohne bewegliche Teile. Ohne Wartungsaufwand. Nahezu geräuschlos.

Das klingt nach einem Nischenthema. Ist es aber nicht mehr. Gerade im Maschinenbau rücken thermoelektrische Generatoren zunehmend in den Fokus von Entwicklungsabteilungen, die Systeme energieautarker gestalten oder Abwärme gezielt nutzen wollen.

Was ist ein thermoelektrischer Generator?

Ein thermoelektrischer Generator, kurz TEG, nutzt den Seebeck-Effekt. Wenn zwei unterschiedliche Halbleitermaterialien an einer Seite erhitzt und an der anderen Seite gekühlt werden, entsteht eine Spannung. Diese Spannungsdifferenz ist direkt proportional zur Temperaturdifferenz zwischen heißer und kalter Seite.

Das Herzstück eines TEG ist das thermoelektrische Modul, bestehend aus p- und n-dotierten Halbleiterelementen, meist auf Bismuttellurid-Basis für Temperaturbereiche bis etwa 250 °C oder auf Bleitellurid-Basis für höhere Temperaturen bis 600 °C. Diese Elemente sind elektrisch in Reihe und thermisch parallel geschaltet.

Seebeck-Effekt: Das physikalische Prinzip

Thomas Johann Seebeck beschrieb diesen Effekt bereits 1821. Doch erst die Entwicklung geeigneter Halbleitermaterialien machte den Einsatz in technischen Anwendungen wirtschaftlich sinnvoll. Der Seebeck-Koeffizient gibt an, wie viel Spannung pro Kelvin Temperaturdifferenz erzeugt wird. Bei modernen TEG-Modulen liegt dieser Wert zwischen 150 und 300 µV/K pro Thermoelement-Paar.

Wie funktioniert ein TEG im industriellen Einsatz?

Die Grundkonfiguration ist denkbar schlicht. Die heiße Seite des Moduls wird an eine Wärmequelle gekoppelt, zum Beispiel an ein Abgasrohr, eine Motorgehäusefläche oder einen Wärmetauscher. Die kalte Seite wird aktiv oder passiv gekühlt, etwa über einen Kühlkörper mit Luftkonvektion oder eine Wasserkühlung.

Die erzeugte Gleichspannung wird über einen DC/DC-Wandler auf ein nutzbares Spannungsniveau gebracht und kann zur Versorgung von Sensoren, Funkmodulen oder kleinen Steuereinheiten genutzt werden. In größeren Konfigurationen speisen mehrere TEG-Module in ein gemeinsames System ein.

Typisches Szenario: Sensorversorgung ohne externe Stromquelle

Ein typisches Szenario: Eine Pumpenstation in einer Prozessanlage arbeitet bei Temperaturen von 150 bis 200 °C. Bislang wurden Temperatursensoren und Funksender über Kabel oder Batterien versorgt, mit den bekannten Nachteilen: Verkabelungsaufwand, Wartungsintervalle, Ausfallrisiko. Mit einem TEG-Modul, montiert an der Gehäusefläche der Pumpe, lässt sich der Sensor dauerhaft und wartungsarm versorgen, solange die Anlage läuft.

Wirkungsgrad: Was ein TEG leisten kann und was nicht

Hier muss man ehrlich sein. Der Wirkungsgrad eines thermoelektrischen Generators liegt je nach Materialsystem und Temperaturgradient zwischen 3 und 8 Prozent. Zum Vergleich: Eine Dampfturbine erreicht über 30 Prozent. Ein TEG ist kein Energiegewinnungswunder.

Aber das ist der falsche Maßstab. Der TEG konkurriert nicht mit der Turbine. Er konkurriert mit der Alternative, Wärme ungenutzt abzuführen oder eine externe Stromversorgung zu verlegen. Und in diesem Vergleich sieht die Rechnung oft anders aus.

Leistungskennwerte im Überblick

ParameterTypischer Bereich
Temperaturdifferenz (ΔT)30 bis 300 K
Ausgangsleistung pro Modul1 bis 40 W
Ausgangsspannung (unbelastet)1 bis 12 V
Wirkungsgrad3 bis 8 %
Betriebstemperatur (heiße Seite)bis 600 °C (materialabhängig)
Lebensdauer10 bis 20 Jahre (keine beweglichen Teile)

Materialien und Bauformen

Die Wahl des thermoelektrischen Materials hängt direkt vom Temperaturbereich der Anwendung ab. Für niedrige bis mittlere Temperaturen bis 250 °C ist Bismuttellurid (Bi₂Te₃) der Standard. Bleitellurid (PbTe) und Germaniumtellurid eignen sich für mittlere bis hohe Temperaturen. Für Hochtemperaturanwendungen über 500 °C kommen siliziumbasierte Materialien oder Skutterudit-Verbindungen zum Einsatz.

Bei der Bauform unterscheidet man zwischen Standard-Modulen für flache Montageflächen und zylindrischen oder ringförmigen Modulen, die direkt auf Rohre oder Wellen aufgesetzt werden können. Letztere sind besonders interessant für Anwendungen an Abgasleitungen oder rotierenden Maschinenteilen.

Montagetechnik und Wärmekopplung

Ein unterschätzter Faktor: Der thermische Kontaktwiderstand zwischen Wärmequelle und Modul. Wird hier geschlampt, verliert man einen erheblichen Teil der theoretisch verfügbaren Temperaturdifferenz. Wärmeleitpaste mit hoher thermischer Leitfähigkeit, plan geschliffene Kontaktflächen und ausreichender Anpressdruck sind keine Kür, sondern Pflicht.

Einsatzfelder im Maschinenbau

Thermoelektrische Generatoren finden sich heute in einer Vielzahl von Anwendungen. Die Liste ist breiter, als man zunächst annehmen würde.

  • Autarke Sensorversorgung in Prozessanlagen mit Abwärme
  • Energieversorgung von Wireless-Sensornetzwerken in der Fertigungsüberwachung
  • Abwärmenutzung an Verbrennungsmotoren und Abgassträngen
  • Versorgung von Fernüberwachungssystemen in abgelegenen Installationen
  • Notstromversorgung für sicherheitsrelevante Sensoren bei Stromausfall
  • Thermische Energierückgewinnung in der Halbleiter- und Glasindustrie

In der Automobilindustrie gibt es seit Jahren Bestrebungen, Abgaswärme über TEGs zurückzugewinnen. Die Ansätze zeigen, wie viel Potenzial in diesem Prinzip steckt, auch wenn die serientechnische Umsetzung im Pkw bislang an Kosten-Nutzen-Überlegungen scheiterte.

TEG oder Peltier-Element: Was ist der Unterschied?

Diese Frage taucht regelmäßig auf. Peltier-Elemente und thermoelektrische Generatoren nutzen dieselbe Physik, werden aber in entgegengesetzter Richtung betrieben. Ein Peltier-Element erzeugt bei Stromfluss eine Temperaturdifferenz, es kühlt oder heizt. Ein TEG erzeugt bei Temperaturdifferenz einen Stromfluss, er generiert Energie.

In der Praxis können baugleiche Module in beiden Betriebsmodi eingesetzt werden. Die Optimierung für den jeweiligen Anwendungsfall unterscheidet sich aber, weshalb es dedizierte TEG-Module gibt, die auf hohen Seebeck-Koeffizienten bei niedrigem elektrischen Widerstand ausgelegt sind, während Peltier-Module auf maximalen Wärmepumpeffekt hin optimiert werden.

Auslegung: Worauf Entwickler bei der Integration achten müssen

Wer einen thermoelektrischen Generator in ein System integriert, startet am besten mit einer thermischen Analyse. Welche Temperaturen liegen dauerhaft an der Wärmequelle an? Welche Kühlkapazität steht auf der kalten Seite zur Verfügung? Daraus ergibt sich die erreichbare Temperaturdifferenz, die die erzielbare Leistung maßgeblich bestimmt.

Ein häufiger Fehler ist die Überschätzung der verfügbaren Wärme. Wenn die Wärmequelle nur kurzfristig hohe Temperaturen liefert, sinkt die mittlere Ausgangsleistung deutlich. Für solche Fälle empfiehlt sich ein Energiespeicher, zum Beispiel ein Superkondensator oder ein kleiner Akkumulator, der Leistungsspitzen puffert.

Wichtige Auslegungsparameter im Überblick

  • Dauerhaft verfügbare Temperaturdifferenz ΔT
  • Wärmeleistung der Quelle (nicht nur Temperatur)
  • Kühlkonzept auf der kalten Seite
  • Elektrische Last und benötigte Spannung
  • Mechanische Randbedingungen und Montagemöglichkeiten
  • Vibrations- und Schockbelastung im Betrieb

Zuverlässigkeit und Lebensdauer

Ein wesentlicher Vorteil thermoelektrischer Generatoren im Industriebetrieb ist die fehlende Mechanik. Keine rotierenden Teile, keine Dichtungen, keine Schmierung. Das reduziert den Wartungsaufwand auf ein Minimum. Unter stabilen Betriebsbedingungen sind Lebensdauern von 15 bis 20 Jahren keine Seltenheit.

Kritisch sind dagegen thermische Wechselbelastungen, die zu mechanischen Spannungen im Modul führen können. Wer Anlagen mit häufigen An- und Abfahrzyklen betreibt, sollte Module mit hoher thermomechanischer Belastbarkeit wählen und die Montagekonstruktion auf Ausdehnung und Stauchung auslegen.

Häufige Fragen zum thermoelektrischen Generator

Wie viel Strom erzeugt ein TEG-Modul?

Das hängt stark von der Temperaturdifferenz und der Modulgröße ab. Typische Standardmodule liefern bei ΔT = 100 K zwischen 2 und 10 W elektrische Leistung. Größere Module oder Stapel mehrerer Module erreichen entsprechend mehr.

Für welche Temperaturbereiche sind TEGs geeignet?

Je nach eingesetztem Material von etwa 50 °C Temperaturdifferenz bis zu Quelltemperaturen von über 600 °C. Bismuttellurid-Module sind für Quelltemperaturen bis 250 °C ausgelegt, Hochtemperaturmodule auf Bleitellurid- oder Skutterudit-Basis für deutlich höhere Werte.

Lassen sich TEGs nachrüsten?

In vielen Fällen ja. Besonders an Rohrleitungen, Abgassträngen und Gehäuseflächen lassen sich Module mit geringem konstruktivem Aufwand integrieren. Voraussetzung ist eine sorgfältige thermische Ankopplung und ein passendes Kühlkonzept auf der Gegenseite.

Was kostet ein thermoelektrisches Modul?

Standardmodule für den industriellen Einsatz liegen je nach Leistungsklasse und Materialsystem zwischen 20 und mehreren hundert Euro. Die Gesamtkosten einer TEG-Lösung umfassen neben den Modulen auch den DC/DC-Wandler, mechanische Halterungen und gegebenenfalls einen Energiespeicher.

Wer Abwärme im Maschinenbau bislang ungenutzt lässt, verschenkt eine Energiequelle, die keine Betriebskosten verursacht. Thermoelektrische Generatoren sind nicht für jede Anwendung die erste Wahl, aber wo die Rahmenbedingungen passen, liefern sie eine robuste, wartungsarme Lösung mit langer Betriebsdauer.

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